Noli me tangere – Ostern 2020

Social distancing ist das Schlagwort dieser Tage. Abstand halten ist gefragt. Auch aus der Bibel ist diese Aufforderung nicht unbekannt. Von Jesus Christus sind bei seiner Begegnung mit Maria Magdalena nach der Auferstehung die Worte „Noli me tangere“ überliefert, „berühre mich nicht“ oder – dem altgriechischen Original folgend „halt mich nicht fest“. Dieses „Noli me tangere“ gilt also ganz besonders zu Ostern 2020, wo die Corona-Pandemie die halbe Welt in Bann hält. Dass es auch einen Bezug zur Orgel gibt, ist wohl nicht so häufig bekannt. Vor allem in der Barockzeit hat man größten Wert auf Symmetrie gelegt. Auch die Registerzüge, die damals traditionell links und rechts der Klaviatur(en ) angebracht waren, mussten in ihrer Anzahl jeweils gleich sein. Wenn aber keine weitere Pfeifenreihe oder sonstige technische Funktion damit verbunden war, hat man den Registerzug einfach mit „noli me tangere“ beschriftet, ein Hinweis für den Organisten, dass er hier gar nicht ziehen brauche.

Zurück zu Corona: vielfach wird derzeit diskutiert, wie sehr denn physische Präsenz noch nötig sei. In Zeiten von Teleworking und unzähligen Live-Streams scheint das virale Netz ausreichend zu sein. Der Medientheoretiker Peter Weibel postuliert sogar das Ende der Nahgesellschaft, das Zeitalter der „Ferngesellschaft“, vom griech. „tele“ abgeleitet. Das Publikum in Fußballstadien, in Opern- und Konzerthäusern wäre auch heute schon bloße Staffage. Das Geschäft und das Ereignis haben sich schon längst in die virtuelle Welt verlagert.

Dem kann ich als Musiker und Musikhörer nur entschieden entgegentreten. Noch nie hat für mich ein virtuelles Musikerlebnis die Intensität einer Live-Performance erreicht und so viel Gänsehaut, Trauer- oder Glücksmomente erzeugt. Ob Fußballer oder Musiker, für beide gilt, dass die Stimmung, die vom Publikum übermittelt wird, oft einen entscheidenden Einfluss auf die Performance hat.

Deshalb mein Appell an alle, noli me tangere, damit wir einander bald wieder berühren dürfen.

Telepathische Grüße

AH

PS: für die Zeit bis dahin doch ein paar Links zu virtuellen Aktivitäten der vergangenen Wochen:

www.w24.at/Sendungen-A-Z/jetztmiteinand/Uebersicht?video=17835

www.facebook.com/ovi.at

Haydn an der historischen Sonnholz-Orgel in Mariabrunn

Die historische Sonnholz-Orgel der Pfarr-und Wallfahrtskirche Mariabrunn steht im Fokus der Wiener Orgelkonzerte 2019. Mit dem Ensemble für Alte Musik dolce risonanza und Renate Sperger sowie Anton Holzapfel an der Orgel werden deren wundervolle Klangfarben in idealer Weise präsentiert.

Donnerstag, 24. Oktober 2019, 19:30 Uhr
in der Pfarrkirche Mariabrunn, Hauptstraße 9, 1140 Wien

Werke von J. Haydn, G. Reutter d.J, J.G. Albrechtsberger, J.G. Wagenseil und Leopold Mozart

– anschließend Orgelbesichtigung.

Ob Joseph Haydn tatsächlich an der Sonnholz-Orgel in Mariabrunn  musiziert hat, ist historisch nicht belegt, auch wenn eine Darstellung aus dem 19. Jahrhundert dies suggeriert. Seine Orgelkonzerte sind jedenfalls an der jüngst renovierten Orgel bestens zu realisieren, genauso wie jene der Zeitgenossen Albrechtsberger, Reutter, Wagenseil und nicht zuletzt Leopold Mozart.

Eröffnungskonzert der Wiener Orgel­konzerte am 3. Okt. 2019

Herzliche Einladung zum Eröffnungskonzert der neuen Saison der Wiener Orgelkonzerte. Auf Initiative des neuen künstlerischen Leiters Peter Planyavsky wird der international renommierte Organist Guy Bovet in Wien zu Gast sein.

Donnerstag, 3. Oktober 2019, 19:30 Uhr
in der Pfarre St. Elisabeth, Elisabethplatz, 1040 Wien
– anschließend Orgelbesichtigung.

Seit dem legendären Bach-Orgelzyklus 1985 hat die von Gerhard Hradetzky errichtete Orgel einen fixen Platz in der Orgellandschaft Wiens eingenommen. Mit dem Eröffnungskonzert 2019 wird der besondere Stellenwert dieses Instruments dokumentiert, wenn Guy Bovet, ein international renommierter Starorganist, dieses Instrument spielen wird.

Eröffnungskonzert 2019

Salzburger Tafelmusik zur Festspieleröffnung

Beim Fest zur Festspieleröffnung am 20. Juli 2019 erklingt Tafelmusik des Salzburger Domvikars und Regens Chori, Andreas Christoph Clamer (1633–1701). Das einzig (fast vollständig) erhaltene Opus von Clamer ist die Mensa Harmonica, Tafelmusik gewidmet Fürsterzbischof Max Gandolph Graf zu Kuenburg. Das Ensemble dolce risonanza lädt in das historische Palais Kuenburg, das der Fürsterzbischof an der Sigmund-Haffner-Gasse für seine Verwandten umbauen ließ. Bekannte und hochgeschätzte Musik von Georg Muffat und Ignaz Heinrich Biber wird der weitgehend in Vergessenheit geratenen Musik Clamers gegenübergestellt. Erwartet man bei dieser Tafelmusik leichte Kost, wird man ob der von Clamer verwendeten Zutaten, der starken Aromen und ungewöhnlichen Gewürze vielleicht überrascht sein – dem Erzbischof hat es gemundet.

Auch beim Fest zur Festspieleröffnung sind die Karten rar. Details und Karteninfo: www.salzburgerfestspiele.at

Wer zuhause diese höchst interessante Musik nachhören will, bestellt einfach die CD unter Töne.

Oder er/sie besucht das Ensemble dolce risonanza am 15. und 16. Juli in der Wiener Ruprechtskirche oder am 17. Juli im Rahmen einer „Eat art bey Daniel Spoerri“ in Hadersdorf am Kamp. Doch das ist eine andere Geschichte: Gerne hätten wir ein Fallenbild von Daniel Spoerri für das Cover der CD verwendet, die Nutzungs­rechte­vereinbarung mit dem Museums­träger war schon unterschrifts­reif. Allein das Platten­label konnte mit solcher Kunst nicht mithalten: „Nee Herr Holzapfel, diese abgegessenen Teller und angebissenen Würstchen können wir unseren Kunden nicht zumuten“, hieß es damals lautstark. Umso mehr freut es uns, bei Daniel Spoerri zu Gast in Hadersdorf sein zu dürfen!

Details unter Termine.

Wiener Orgelkonzerte: Eröffnungs­konzert am 27. September 2018

Herzliche Einladung zum Eröffnungskonzert der neuen Saison der Wiener Orgelkonzerte. Gemeinsam mit der Titularorganistin der Evangelischen Stadtkirche in der Dorotheergasse Erzsébet Windhager-Géred und dem Evangelischen Landeskantor für Österreich Matthias Krampe werde ich die neue Lenter-Orgel der Stadtkirche zum Klingen bringen: Orgel 4-händig steht genauso auf dem Programm wie die seltene Kombination Orgel-Klavier bzw. Harmonium (Physharmonika) und Klavier.

Donnerstag, 27. September 2018, 19:30 Uhr
in der Lutherischen Stadtkirche, Dorotheergasse 18, 1010 Wien
– anschließend Orgelbesichtigung.

Die 2018 fertiggestellte Lenter-Orgel nimmt in der Neukonzeption klangliche Anleihen an die erste Orgel der Stadtkirche vom Beginn des 19. Jahrhunderts: Der bekannte Wiener Orgelbauer Friedrich Deutschmann war beauftragt, für die evangelische Kirche eine Orgel zu erbauen. Von allen Seiten wurde dieses Instrument sehr geschätzt. Die besonderen Klangfarben des frühromantischen Orgelbaus wurden hier Programm – und sollen auch heute wieder ertönen. Vor allem das Register Physharmonika (ein Vorläuferinstrument des Harmoniums) ermöglicht vielfältige klangliche Schattierungen. Beim Eröffnungskonzert der Wiener Orgelkonzerte ist es uns ein Anliegen, diese  Vielfalt zu dokumentieren.

Hier ein Link zur Disposition der Orgel und weiteren Infos:
www.orgelbau-lenter.de

Natur & Trompete & Orgel am Fuß der Tauern

 

Alle paar Jahre bin ich (immer wieder gerne) zu Gast beim Musiksommer »Pro Musica Mallnitz«, am Fuß der Hohen Tauern. Schon vor zwei Jahren hatte ich mir vorgenommen, mit einer Tagestour auf den Spuren der alten Römer den historischen Saumpfad von Sportgastein (Nassfeldalm)  über die Hagener Hütte (2430 m) hinüber nach Mallnitz zu bestreiten. Der Wettergott war damals nicht gnädig, dieses Mal war er es, steht doch dieser Tauernübergang als Sinnbild für das Konzert »tromba triumphans«, das ich gemeinsam mit den Trompetern Johann Moritz und Zoran Curovic am 19. Juli 2018 um 20 Uhr in der Pfarrkirche Mallnitz spielen werde.

Der Tauernübergang von Kärnten nach Salzburg ins Gasteiner Tal war zwar nicht die Haupthandelsroute (die über den Katschberg führte), doch für den Saumhandel der Goldbergwerke von Gastein nicht unerheblich. Sogar der Patriarch von Venedig hatte den Weg um 1820 zur Kur in Gastein benutzt. Ob die Musik von Antonio Vivaldi wohl auch auf diesem Weg nach Mitteldeutschland zum jungen Prinzen Johann Ernst von Sachsen Weimar und zu Johann Sebastian Bach gelangte? Die Verbreitung erfolgt wohl eher über die Drucke, die in Amsterdam schon zu Vivaldis Lebzeiten publiziert wurden. In unserem Gepäck sind die Noten jedenfalls dabei:

Zoran Curovic (Naturtrompete), Anton Holzapfel (Orgel) und Johann Moritz (Naturtrompete)

 

Virtuose Barockmusik für Bläser und Streicher steht auf dem Programm dieses Konzertes im Rahmen der Reihe »Pro Musica Mallnitz«. Doch allein, wo sind die Streicher abgeblieben? In Zeiten, als es noch keine Tonträger oder Radiogeräte oder gar Internet gab, war die Verbreitung von Musik nicht so leicht möglich. Raffinierte Arrangements für Tasteninstrumente boten seit dem 16. Jahrhundert die ideale Gelegenheit, Orchestermusik zu Gehör zu bringen – sei es auf dem Cembalo, dem Regal, dem Clavichord, der Orgel oder in späterer Zeit dem Klavier. Johann Sebastian Bach hat exemplarische Bearbeitungen von topaktuellen Violinkonzerten aus Italien (Vivaldi) und Deutschland (Johann Ernst v Sachsen-Weimar) geschaffen. Die Streicherbegleitung der virtuosen Trompetenwerke von Händel, Manfredini und Vivaldi wurde in diesem Sinn von Anton Holzapfel bearbeitet. Dass bei der (zeitlich etwas früheren) Sonate für Trompete und Orgel von Viviani der bezifferte Bass – wie später im Jazz – improvisatorisch vom Organisten realisiert wird, versteht sich von selbst.