Sie haben die Wahl …

in der Zeit der Postdemokratie angekommen, können wir zwar wählen, aber wir haben keine Wahl. So formulierte es vor kurzem ein sehr kritischer Kommentator. In diesen Minuten laufen auf allen Kanälen von ORF, ATV und anderen Sendern Wahlanalysen, Reporte und Interviews mit Spitzenkandidaten der international beachteten Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien. In der gestrigen Le Monde schaffte es Österreich (wohl eher unfreiwillig) seit langem wieder einmal auf einen fast ganzseitigen Bericht …

Es mutet fast biedermeierlich an, wenn zur selben Zeit 70 Musikerinnen und Musiker den Sonntag-Abend in einem Probenraum verbringen, um für eine Matinée am kommenden Sonntag zu proben. Generell verdunkeln die aktuellen politischen Entwicklungen auf der Welt die Sicht auf künstlerische Aktivitäten. Dass die oben genannte Probe keine biedermeierliche Flucht ist, sondern eine zivilgesellschaftliche Bewegung, muss aber erklärt werden. Die Wiener Immobilienwirtschaft hat heuer im Frühjahr ein Projekt ins Leben gerufen, das Müttern in Wohnungsnot helfen soll. Dem Verein immo-humana, der sich seit vielen Jahren unter der Leitung von Herrn Slawik dieser Aufgabe widmet, soll das Ergebnis einer Charity-Veranstaltung im Großen Saal des Wiener Musikvereins zugute kommen. Dr. Peter Gassler schart Profis, Musikstudenten und engagierte Laien um sich, um für einen guten Zweck Geld hereinzuspielen.

Hier geht es zum Programm: Infofolder

Mein Beitrag zu diesem Charitykonzert, das von ep-media organisert wird, ist natürlich auch ein musikalischer: An der neuen Rieger-Orgel des Musikvereins werde ich das Orgelkonzert von Francois Poulenc mit dem Orchester ars vivendi und dem Dirigenten Georg Mark musizieren. Sollten Sie noch die Wahl haben, Ihren nächsten Sonntag-Vormittag gestalten zu können, dann kommen doch auch Sie in den Wiener Musikverein.

(Achtung: Karten sind nicht an der Musikvereinskasse erhältlich, sondern nur über den Veranstalter ep-media, Details siehe  Bestellformular)

 

Klingendes Haus der Geschichte

Erst vor wenigen Tagen gab es die definitive Aussage des Kulturministers Dr. Ostermayer, dass die Sammlung alte Musikinstrumente dem geplanten Haus der Geschichte nicht zum Opfer fällt. Bis dahin war nicht klar, ob diese weltweit überragende Sammlung historischer Instrumente des Kunsthistorischen Museums weiter der Öffentlichkeit zugänglich sein würde. Die Sammlung wird auf verkleinerter Fläche nun einem anderen Stockwerk der neuen Burg eingerichtet werden.

Details dazu:

Noch sind die Umbaupläne nicht konkret, eine länger andauernde Lagerung der Instrumente in einem Depot wird aber unumgänglich Der Verein Wiener Orgelkonzerte bietet jetzt noch die Chance, ausgewählte Tasteninstrumente zu hören. Am Donnerstag, 24. September 2015 gibt es um 14 Uhr und 16 Uhr eine Führung mit Dr. Alfons Huber, dem Kustos der Sammlung, und Anton Holzapfel, der unter anderem das außergewöhnliche Orgel-Klavier von Frantz Xaver Christoph präsentieren wird.

Hier finden Sie Bilder aus der Sammlung alter Musikinstrumente.

Bitte beachten: limitierte Teilnehmerzahl, Anmeldung per E-Mail an vereinwienerorgelkonzerte@gmx.at, Kosten 10 Euro pro Teilnehmer/-in.

Ferragosto mit dolce risonanza

Die nächste Hitzewelle ist angesagt. Ein prächtiger Sommer wie schon lange nicht.  Die Italiener treibt es zu Ferragosto, also rund um den 15. August entweder „al mare“ oder „in montagna“. dolce risonanza lädt am 6. August im Rahmen des Festivals promusica Mallnitz zu einem Konzert mit Orgel und Streichern in die Pfarrkirche des gleich hinter der Tauernschleuse gelegenen Kärntner Bergdorfes. Werke von Haydn, Mozart und Vanhal erwarten Sie. Sommerfrischler aus dem Gasteiner Tal können die Autoschleuse noch bequem um 22:50 Uhr für die Rückfahrt nützen!
www.gasteinertal.com/autoschleuse

Zu Maria Himmelfahrt sind die Musiker schon wieder in Wien und präsentieren in der Peterskirche am Graben um 20 Uhr wunderbare Marienwerke des 17. Jahrhunderts: Monteverdi, Schütz, Sanches sind nur einige der Komponisten, die von dolce risonanza gemeinsam mit der Sängerin Barbara Fink mit höchsten Affekten vermittelt werden.

Gleich noch drei Terminavisos für September:

Am 12. September erklingen in der Lutherischen Stadtkirche Mysteriensonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber, Virtuoseste Geigenliteratur gespielt von Gunda Hagmüller, begleitet von Florian Wieninger (Violone) und Anton Holzapfel (Orgel).

Zu Herbstbeginn am 20. September ist ein Ausflug in die Pfarrkirche Stronsdorf in Niederösterreich (Nähe Laa/Thaya) angesagt: eine der schönsten spätbarocken Orgeln Österreichs wird von Anton Holzapfel zum Klingen gebracht.

Einige Tage später, am 24. September, gibt es eine vom Verein Wiener Orgelkonzerte initiierte Führung durch die Sammlung Alte Musikinstrumente im Kunsthistorischen Museum. Die aufgrund der Planungen zum Haus der Geschichte in räumliche Bedrängnis geratene einzigartige Sammlung von Weltrang kann – noch – besichtigt werden. Schwerpunkt: Orgeln und Cembali aus dem 16.–18. Jahrhundert. Näheres dazu in Kürze!

Noch einen vergnüglichen und erholsamen Sommer!

Anton Holzapfel

Orgel-Kinderuni in Ramsau

Sonntag Nachmittag. Ein Gewitter über Wien. Ich sitze am Schreibtisch und erstelle ein Programm für ein »Kinderkonzert«, eine Orgelpräsentation am kommenden Freitag Abend, 19. Juni, in der Pfarrkirche Ramsau bei Hainburg (NÖ). Pfarrer Dr. Slavomir Dluga hat dies initiiert und versucht so, Kinder und Jugendliche für das Instrument Orgel zu begeistern.

Im Radio läuft gerade die Ö1 Kinderuni. Das Thema der nächsten Sendung: »Haben Schlangen Beine?« Auf viele einfache Fragen von Kindern haben wir Erwachsene oft nur komplizierte Antworten. Wie erkläre ich denn wirklich am einfachsten, was den Klang einer Orgel ausmacht, die vielen Varianten und Bauweisen, Manuale, Pedale und Pfeifen?

Wie kann man auf der Orgel Tierklänge imitieren? Oder das Grollen des Donners? Oder den Regen?

»Die von einem Donnerwetter unterbrochene Hirtenwonne« von Justinus Heinrich Knecht muss also genauso auf dem Programm stehen wie das »Capriccio sopra il Cucu« von Kerll oder  das »Largo« aus Vivaldis »Die vier Jahreszeiten«.

Was darf nicht fehlen zum Abschluss: das wohl berühmteste Orgelstück der Musikgeschichte überhaupt, Johann Sebastian Bachs »Toccata«.

Osterklänge

In wenigen Tagen beginnt die Karwoche. Nach der unfassbaren Flugzeug-Katastrophe in Frankreich ist das althochdeutsche Wort »chara/kara«, das »Trauer« bedeutet, omnipräsent. Zwei meiner aktuellen musikalischen Aktivitäten kreisen auch um dieses Thema. Für all jene Osterurlauber, die in der Karwoche in Tirol sind, kann ich den Besuch eines ganz außergewöhnlichen Konzertes beim Osterfestival Tirol empfehlen. Orlando di Lassos »Bußpsalmen« werden von dolce risonanza und profeti della Quinta im Salzlager in Hall am Gründonnerstag Abend aufgeführt. Das Programm der jüngsten CD unseres Ensembles ist damit erstmals auch live zu hören. Videos und weitere Details unter www.dolcerisonanza.at.

Ein zweiter Musiktipp gilt einer Konzertübertragung am Ostermontag Abend in Ö1 aus dem Großen Musikvereinssaal in Wien, wo ich vor kurzem als Orgelsolist und Continuo-Spieler bei Aufführungen des Händel-Oratoriums »Saul« unter Nikolaus Harnoncourt mitgewirkt habe. Der Trauermarsch aus diesem Oratorium wird heute noch in England bei prominenten Begräbnissen aufgeführt. Wer an diesem Tag im Osterreise-Verkehr steckt: 7 Tage lang können die Sendungen von Ö1 im Internet nachgehört werden!

Abschließend noch ein Hinweis auf ein Konzert aus der Serie »Nun klingen sie wieder« im Brahmssaal des Wiener Musikvereins am 8. April 2015. Heuer darf ich ein völlig vergessenes Instrument aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts präsentieren: die Physharmonika, ein Vorläufer des Harmoniums. Nicht geistliche Musik, sondern weltliche Musik hat man sich damit in die bürgerliche Wohnstube geholt: Der Komponist Carl Georg Lickl hat Fantasien über Schuberts »Winterreise« und Verdis »Rigoletto« komponiert, im wahrsten Sinn des Wortes »zusammengetragen«. Hören Sie sich das doch an!

Ein frohes Osterfest wünscht
Anton Holzapfel

Secret Music

Geheimnisvoll mutet der Titel an: Secret Music. Eigentlich wollen Musiker genau das Gegenteil, nämlich ihre Klänge unters Volk zu bringen. Das Ensemble dolce risonanza hat das mit der neuesten CD »Orlando di Lasso – Musica reservata – Secret Music for Albrecht V« getan. Erste Rezensionen dieser Aufnahme mit legendären Psalmvertonungen des Münchner Hofkapellmeisters Orlando di Lasso sind vielversprechend. Doch hören und sehen Sie selbst, was es mit dieser Musik auf sich hat: www.dolcerisonanza.at.

Genauso wenig geheim sollen weitere Projekte der kommenden Monate sein, wo ich an der Orgel mitwirken darf, sei es bei der nächsten Reihe der Mysterien­sonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber (in der Wiener Peterskirche und im Stift Heiligenkreuz) oder bei einer Aufführung des Oratoriums »Saul« von G. F. Händel im Wiener Musikverein unter Nikolaus Harnoncourt am 14. und 15. März. Näheres unter Termine!