Neue CD von dolce risonanza: Andreas Christoph Clamer „Mensa Harmonica“

Nur wenig ist bekannt über Andreas Christoph Clamer, der im 17. Jahrhundert zeitgleich mit Heinrich Ignaz Franz Biber und Georg Muffat in Salzburg als Regens Chori am Dom wirkte. Sein einziges erhaltenes Werk ist die „Mensa Harmonica“ – Tafelmusik, die 1682 zum 1100-Jahr-Jubiläum des Erzstiftes Salzburg im Rahmen prachtvoller Festivitäten vor erlesenem Publikum erklang. Diese Suiten brauchen den Vergleich mit Bibers „Mensa sonora“ und Muffats „Armonico tributo“ aus dem gleichen Jahr nicht zu scheuen. Sie faszinieren durch abwechslungsreiche, bunte Satzfolgen und den humorvollen Wechsel der Affekte, so etwa „Bizarrerien“ wie Moresca, Scherzo, Lamento oder Saltarello.

Außergewöhnlich ist auch die Besetzung der „Mensa Harmonica“: Neben zwei Violinen und einem Violone bereichert eine Viola da Gamba mit Akkorden und Doppelgriffen die Harmonie. Das Titelblatt des Druckes nennt eine weitere Auffführungsmöglichkeit zu zweit, also mit einer Violine und Generalbass. Sechs der sieben Partiten wurden nun vom Ensemble dolce risonanza erstmals in beiden Besetzungsvarianten eingespielt und bei CHRISTOPHORUS veröffentlicht.

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Clamer Mensa Harmonica

»Wien bei Nacht«

Nachtmusiken gibt es im nächsten Konzert von dolce risonanza am Mittwoch, den 17. Mai 2017 um 19:30 Uhr im Wiener Konzerthaus im Rahmen einer Jeunesse-Veranstaltung zu hören. Einer solistisch besetzten »Kleine Nachtmusik« und der mit Pauken verstärkten »Serenata notturna« von Mozart werden zwei Raritäten gegenüber gestellt:

  • Carl Ditters von Dittersdorf: Symphonie A-Dur »nel gusto di cinque nazioni« und
  • Joseph Haydn: Doppelkonzert für Orgel, Violine und Streicher F-Dur Hob. XVIII:6

Um das ausgesprochen lyrische Concerto von Joseph Haydn rankt sich eine schöne Legende: Angeblich schrieb Haydn dieses Werk anlässlich des Eintritts der von ihm angebeteten Therese Keller in das Wiener KIarissenkloster. Ein ganz besonderes Ständchen also – bedenkt man vor allem, dass Haydns spätere Ehe mit der ältesten Schwester von Therese Keller nicht wirklich glücklich wurde.

»Wien bei Nacht« möchte Ihre Phantasie inspirieren. Notturni und Serenaden erfüllten spätabends die Gassen und Plätze der Residenzstadt, wie viele zeitgenössische Berichte dokumentieren. Musik, Divertimento und Amour sind untrennbar miteinander verbunden!

Restkarten für dieses Jeunesse-Konzert gibt es unter www.jeunesse.at.

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Nicht nur Frankreich hat heute gewählt. Auch Sie haben gewählt. Erfreulich viele von Ihnen waren bei unseren Konzerten der vergangenen Woche:

  • am 1. Mai in der Dorotheerkirche mit prächtigster mehrchöriger Musik von Andreas Rauch
  • am 5. Mai im Wiener Musikverein beim Konzert der Reihe »Nun klingen sie wieder« oder
  • heute beim Jeunesse-Workshop »Mitten im Klang« im Wiener Konzerthaus.

Wer diese Termine versäumt hat, steht schon wieder vor der Wahl:

  • entweder die Radio-Kollegserie in der kommenden Woche in Ö1 zu verfolgen und mehr über den österreichischen protestantischen Barockkomponisten Andreas Rauch erfahren (ab 8. Mai an vier Vormittagen jeweils von 9:45 bis 10:00 Uhr diesem Komponisten: oe1.orf.at)
  • oder unser Konzert »Wien bei Nacht« am 17. Mai im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses zu besuchen.

Dass Wien schon im 18. Jahrhundert eine Weltstadt der Musik war, ist vielfach belegt, so etwa auch in den durchaus kritischen Briefen eines reisenden Franzosen, Johann Kaspar Riesbeck: »Die Musiken sind das einzige, worin der Adel Geschmack zeigt. Viele Häuser haben eine besondere Bande (= banda, Musikkapelle). Man kann hier 4–5 große Orchester zusammenbringen, die alle unvergleichlich sind. … was die Orchestermusiken betrifft, so kann man schwerlich etwas Schöneres in der Welt hören. Es sind gegen 400 Musikanten hier, die sich in gewissen Gesellschaften teilen, und oft viele Jahre lang ungetrennt zusammen arbeiten.«
Entdecken auch Sie Wien bei Nacht, die Divertimenti, Notturni und Serenaten, die bei den oft im Freien stattfindenden zu Gehör gebracht wurden. Restkarten für dieses Jeunesse-Konzert gibt es Karten unter www.jeunesse.at.

Musik für Kaiser und Kaiserin

Imperiale Musik. Dieser rote Faden verbindet zwei ganz unterschiedliche Konzerte, an denen ich Anfang Mai mitwirken werde.

Das bereits vierte Konzert aus der Serie des Ensembles dolce risonanza zum 500. Jahrestag der Reformation in Österreich präsentiert kaiserliche Musik. Am Abend des 1. Mai 2017 werden in der Lutherischen Stadtkirche in Wien mehrchörige Festmotetten mit Pauken und Trompeten erschallen. Komponiert wurde die Werke von Andreas Rauch (1592–1656), dem weithin unbekannten evangelischen Musiker aus Pottendorf bei Wien, der nach seinem Dienst bei den Jörgern in Hernals vor der Gegenreformation nach Ungarn fliehen musste und in der »königlichen Freystatt« Ödenburg (Sopron) Zuflucht fand. Es ist eine gewisse Ironie des Schicksals, dass er dort Musik für die Habsburger Kaiser, so ua eine Festmusik für den 3. Ödenburger Landtag 1634 (»Concentus Votivus«) und eine Huldigungsmottete »Currus triumphalis« 1648 aus Anlass des westfälischen Friedens zu liefern hatte.

Nutzen Sie die im wahrsten Sinn des Wortes einmalige Gelegenheit, diese (un­ver­öffentlichten) Werke zu hören. Nähere Infos unter www.dolcerisonanza.at, Tickets unter www.oeticket.com

Sollten Sie am 1. Mai keine Zeit haben, hier noch der Hinweis auf eine Alternative: Die Ö1-Sendereihe Radiokolleg widmet sich ab 8. Mai an vier Vormittagen jeweils von 9:45 bis 10:00 Uhr diesem Komponisten: oe1.orf.at

Nur wenige Tage später gibt es wieder imperiale Musik zu hören: Anlässlich des 300. Geburtstages von Kaiserin Maria Theresia ertönen in der Serie »Nun klingen sie wieder« am 5. Mai 2017 im Wiener Musikverein Werke auf historischen Instrumenten der Sammlung in Verbindung mit einer ganz besonderen Idee: Noch zu Maria Theresias Zeiten gehörte es zum guten Ton, dass alle Mitglieder des Hauses Habsburg eine musikalische Erziehung genossen. So konnte Maria Theresia an einem Sonntag Nachmittag tatkräftig unterstützt von ihren Töchtern und Söhnen eine ganze Vesper selbst gestalten. In den über­lieferten Notenmanuskripten sind die Namen der Erzherzöge und Erzherzoginnen eingetragen, wir wissen also, wer welche Arie gesungen hat. Begleitet werden diese nur für Oberstimmen komponierten geistlichen Werke von Orgel und Kontrabass. Der spätere Kaiser Josef II. war schon im Stimmbruch und konnte daher nur an den Tasten assistieren. Durchaus interessant, was Johann Adolph Hasse – neben dem selbstverständlichen Continuo-Spiel, das auch Josef II. beherrschte – an konzertierenden Passagen in die Finger gelegt hat. Und im Vergleich dazu ein Orgelkonzert des Hofkapellmeisters Georg Reutter jun.: nicht nur die sprichwörtlichen »rauschenden Violinen a la Reutter«, sondern wahre Trillerkaskaden an der Orgel zeugen von der Publikumswirksamkeit dieser Stücke.

Hören Sie sich das an!

www.musikverein.at

Antonio Vivaldi – il prete rosso

Zum Geburtstag von Antonio Vivaldi gibt es heute Samstag, 4. März von 15:05 Uhr bis 17:00 Uhr in Ö1 eine außergewöhnliche Sendung. Allzu gerne wird Vivaldi auf seine „Vier Jahreszeiten“ reduziert. Oder – um in der Diktion des Ö1-Redakteurs Gerhard Krammer zu bleiben: reduziert auf Fahrstuhl- und Supermarkt-Musik.

Erfreulich, wenn Zeit und Raum bleibt, auch anderen Werken nachzuspüren. So etwa geistlichen Werken, die im Ospedale della Pietà in Venedig erklangen, wo Vivaldi, der „prete rosso“ als Komponist, Geiger und Lehrer tätig war. Dieses Waisenhaus für Mädchen war eine der legendären Musikschulen Venedigs, durchaus vergleichbar mit „El Sistema“ in Venezuela, wo ein Star wie der jüngste Neujahrskonzertdirigent Gustavo Dudamel den Grundstein für seine Karriere legte.

Doch zurück zu Vivaldi und zur Verbreitung seiner Musik. Johann Sebastian Bach schätzte dessen Violinkonzerte sehr und bearbeitete sie für Cembalo und Orgel, eine gängige Methode, um Musik auch ohne großes Orchester zum Klingen zu bringen.

Ö1 gehört heute Nachmittag gehört (oder im 7-Tage Stream nachgehört)!

Zwei Bach’sche Orgelarrangements von Vivaldi-Konzerten

  • Anton Holzapfel an der Metzler-Orgel der Pfarrkirche Hopfgarten in Tirol (CD „Concerti italiani“ Verlag Motette) und
  • Gustav Humer an der Orgel der Stiftskirche Engelszell in OÖ.

Das in diesem Ö1-Beitrag gesendete Konzert in d-Moll war übrigens der Grund für mich, die CD „Concerti italiani“ auf der Metzler-Orgel in Hopfgarten aufzunehmen. Hat doch Bach gerade bei diesem Konzert eine seiner ganz wenigen Registrieranweisungen festgehalten. Er fordert die Verwendung eines 32-Fuss im Pedal, ein Register, dessen tiefste Pfeife immerhin auch in gedeckter Bauweise noch eine Länge von mehr als 5 Metern (offen wären es 11 Meter!) benötigt. Da die Orgel im sogenannten Dom vom Brixental noch im Silbermann-Stil erbaut ist, stand den Bach’schen Klangfreuden nichts mehr im Weg!

Tanti auguri di buon compleanno!

Alles Walzer

Das Neujahrskonzert 2017 der Wiener Philharmoniker ist schon wieder Geschichte. Die Orgel des Wiener Musikvereins spielt dabei bislang nur eine Nebenrolle: üppige Blumengestecke werden auf das Orgelgehäuse appliziert. Orgel und Tanzmusik – ein Widerspruch? Nein! Konzerte des Vereins Wiener Orgelkonzerte werden dies in den nächsten Wochen unter Beweis stellen:
Am 12. Jänner 2017 musizieren zwei Musikerinnen gemeinsam an Klavier und Orgel in der bestens geheizten Kirche St. Gertrud in Wien Währing. Melissa Der­mas­tia und Petra Rei­chel bringen uA auch den Kaiserwalzer von Johann Strauß Sohn zum Klingen.
Beim legendären Faschingskonzert des Vereins Wiener Orgelkoonzerte am 23. Februar 2017 wird Peter Planyavsky den Donauwalzer auf der Orgel der Hochschulkirche St. Ursula zum Besten geben. Die Alternative zum Opernball!

Nähere Infos unter www.wiener-orgelkonzerte.at

In diesem Sinn: Alles Walzer!

Anton Holzapfel